Page 66 - Galerie Ewald Schrade - Mochental - Tobias Röthel - Stahlwerke
P. 66
Treten Sie ein in den barocken, hellen und ruhigen Huber-
tussaal mit seinen imposanten Deckengemälden und weißen
Stuckverzierungen! Hier wird die Kunst von Draußen nach
Innen geholt. Die vom Künstler bewusst platzierten feinen
Skulpturen bauen zusammen eine Choreografie auf, die sich
von einer wohltuenden Ruhe zu einer mitreißenden Dynamik
entwickelt und uns auf eine emotionale Reise mitnimmt.
Als Gesamtkomposition im Raum wirken die Skulpturen wie
einzelne Töne in einer rhythmisch-harmonischen Abfolge von
Pausen und Intonationen und ergeben zusammen vibrierende
Klänge. Mit einem klaren Formrepertoire und einer natürlichen
Oberflächenästhetik reihen sich die Werke symmetrisch auf
weiße Sockel als Repräsentanten ausgesuchter Werkreihen
wie grafische Raumskizzen paarweise auf: Biegungen, Schalen,
Drehungen, Entwicklungen, Segmente und Balancen, eine
Dynamik und mitten drin ein einzelner Kreis.
Der Kreis, eine bedeutungsträchtige Form, bildet ein Thema
für sich, was sich bereits im hohen Aufwand zeigt, der für das
Auseinanderschieben der Hälften nach dem Schnitt benötigt
wird. Verkeilte, extrem feine Zacken halten an der geschlosse-
nen Einheit fest, erschweren das Offenlegen der zerrissenen
Flächen im Inneren, Ergebnis des energischen Drehens und
direkten Hineingrabens des Schneidbrenners in das Material.
Bei dieser Methode, die der Künstler auch für seine Serie
Verbindung anwendet, quillt durch die Hitze des Schneidbren-
ners geschmolzenes Material als Schlacke heraus. Bearbei-
tungsspuren zeigen sich als grobe, strukturreiche, zerfledderte
und scharfkantige Wellenprofile. Sie erinnern an erkaltete Lava,
scheinen geologischen Ursprungs und vor Millionen Jahren als
Zeugen außergewöhnlicher Naturgewalten entstanden zu sein.
66 67

