Page 67 - Galerie Ewald Schrade - Mochental - Tobias Röthel - Stahlwerke
P. 67

Treten Sie ein in den barocken, hellen und ruhigen Huber-
                                                                 tussaal mit seinen imposanten Deckengemälden und weißen
                                                                 Stuckverzierungen! Hier wird die Kunst von Draußen nach
                                                                 Innen geholt. Die vom Künstler bewusst platzierten feinen
                                                                 Skulpturen bauen zusammen eine Choreografie auf, die sich
                                                                 von einer wohltuenden Ruhe zu einer mitreißenden Dynamik
                                                                 entwickelt und uns auf eine emotionale Reise mitnimmt.


                                                                 Als Gesamtkomposition im Raum wirken die Skulpturen wie
                                                                 einzelne Töne in einer rhythmisch-harmonischen Abfolge von
                                                                 Pausen und Intonationen und ergeben zusammen vibrierende
                                                                 Klänge. Mit einem klaren Formrepertoire und einer natürlichen
                                                                 Oberflächenästhetik reihen sich die Werke symmetrisch auf
                                                                 weiße Sockel als Repräsentanten ausgesuchter Werkreihen
                                                                 wie grafische Raumskizzen paarweise auf: Biegungen, Schalen,
                                                                 Drehungen, Entwicklungen, Segmente und Balancen, eine
                                                                 Dynamik und mitten drin ein einzelner Kreis.


                                                                 Der Kreis, eine bedeutungsträchtige Form, bildet ein Thema
                                                                 für sich, was sich bereits im hohen Aufwand zeigt, der für das
                                                                 Auseinanderschieben der Hälften nach dem Schnitt benötigt
                                                                 wird. Verkeilte, extrem feine Zacken halten an der geschlosse-
                                                                 nen Einheit fest, erschweren das Offenlegen der zerrissenen
                                                                 Flächen im Inneren, Ergebnis des energischen Drehens und
                                                                 direkten Hineingrabens des Schneidbrenners in das Material.

                                                                 Bei dieser Methode, die der Künstler auch für seine Serie
                                                                 Verbindung anwendet, quillt durch die Hitze des Schneidbren-
                                                                 ners geschmolzenes Material als Schlacke heraus. Bearbei-
                                                                 tungsspuren zeigen sich als grobe, strukturreiche, zerfledderte
                                                                 und scharfkantige Wellenprofile. Sie erinnern an erkaltete Lava,
                                                                 scheinen geologischen Ursprungs und vor Millionen Jahren als
                                                                 Zeugen außergewöhnlicher Naturgewalten entstanden zu sein.






















 66                                                                                                          67
   62   63   64   65   66   67   68   69   70   71   72