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Die junge Donau flussab · Reise eines Malers
Die Wissenschaft von der Kunstgeschichte kam im 19. Jahrhundert darauf, eine Donau-
schule zu erkennen, und sie beschrieb den im 16. Jahrhundert entstandenen „Donau-
stil“ angesichts der Bilder von Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach d. Ä. und Wolf Huber
samt ihrem Kreis. Diese Maler arbeiteten an der größer gewordenen Donau im Bereich von
Regensburg, Passau, später auch Wien. Christopher Lehmpfuhl geht das Donauthema
systematisch an und beginnt in der Region der Entstehung des großen Stroms ab Donau-
eschingen.
Wird er dadurch zum Donaumaler? Können wir erwarten, dass er die Reise fortsetzt und
malend bis zum Schwarzen Meer vordringt? Ausschließen können wir das nicht, denn die-
ser Maler zeichnet sich durch eine besondere Gründlichkeit in seinem Schaffen aus. Er
pflegt seine Motive nicht zu verlassen, bevor sie nicht bis auf den Grund untersucht und
ausgeleuchtet worden sind. Das hat er vielfältig bewiesen, am umfassendsten an seinem
ab 2000 entstandenen Zyklus über den Schlossbau in seiner Heimatstadt Berlin, der nahe-
zu 150 meist großformatige Gemälde aufweist.
Aber auch die Naturlandschaft hat ihn immer wieder angezogen und veranlasst, auf Reisen
in Georgien oder Island, in Indonesien, Australien, in der Toskana oder regelmäßig an Nord-
und Ostsee – oft im Kreis der Künstlergruppe der Norddeutschen Realisten – sowohl in der
bitteren Kälte des Eisschollenwinters als im Sonnenwetter des Sommers, bei strömendem
Regen die Motive zu malen, die sein Auge ausgewählt hatte. Das Auge urteilt nie aus Be-
quemlichkeit oder Zuträglichkeit der äußeren Wetterumstände.
Für Lehmpfuhl ist sein Auge der entscheidende Impulsgeber, der unerbittliche Herrscher
über seine Möglichkeiten. Für die malerische Umsetzung ist ihm keine Anstrengung zu viel,
denn Lehmpfuhl arbeitet – muss das schon betont werden? - analog, ohne jede Unterstüt-
zung von Technik, nicht einmal der Fotoapparat wird beigezogen. Denn Lehmpfuhl weiß,
dass der schöpferische Prozess in der Umsetzung, in der Verwandlung des gewählten
Motivs liegt. Diese kann für einen nach der Natur malenden Künstler nur vor dem Motiv
geschehen. Sie muss auch geschehen, denn das Motiv hält nicht stille. Das Wetter, die
Tageszeiten, der Wind, die Bewegung des Wassers – sie alle verändern sich ständig und
müssen in dem vergleichsweise langsamen Malprozess zu einem gültigen und stimmigen
Bild zusammengefasst werden. Dieses Zusammenfassen und Verwandeln ist das Geheim-
nis der Kunst, die damit schöpferisch wird und etwas an Lebendigkeit in die Bilder bringt,
wie sie Goethe vom Kunstwerk erwartet: „Die höchsten Kunstwerke, die wir kennen, zei-
gen uns: Lebendige, hochorganisierte Naturen.“ (Über Laokoon,1798) Angesichts der neu-
erdings üblichen Vorgehensweise muss vor dem bequemen Weg, über Reproduktionen
Herbstliches Donautal, 2025
Öl auf Leinwand
4 30 x 40 cm 5

