Page 7 - Galerie Ewald Schrade - Mochental - Christopher Lehmpfuhl -Herbstlicht
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durch Fotos, KI oder andere mechanische Möglichkeiten zu gehen, gewarnt werden. Denn   das Auge ragt in der Ferne der alles zusammenfassende Berg Bussen auf. Dieser wird auf
 dieser verhindert den Zauber des Schöpferischen.  dem kleinen Bild beiläufiger notiert. Als dunkle Masse ragt er nur knapp aus einem Farben-
                        meer heraus, das sich zu Strudeln und Wirbeln, von Gelb akzentuiert, schürzt, während der
 Den können wir in den Bildern Lehmpfuhls erleben, und wer ihn einmal gefunden hat,   Himmelsbereich sich ruhiger hingestrichen gibt, nur durch weiße Wolkenschichten und das
 möchte ihn nicht mehr entbehren. Daher wollen wir dem Künstler auf seiner Reise an der   von diesen freigegebene Himmelsblau zwischen purpurvioletten Schichten unterbrochen.
 jungen Donau folgen und beginnen an der westlichsten Stelle, um mit ihm den Fluss ab-
 wärts zu ziehen.       In Obermarchtal am Abend bekam es der Maler mit einem wilden Wasser zu tun, das eine
                        Staustufe hinabstürzt. Die Dynamik des brausenden Flusses weiß er mit den oberhalb lie-
 Mit dem großen Bild Herbsttag in Beuron und seinem kleinen Gefährten Abendlicht in Beu-  genden ruhigen Teilen zu kombinieren, die ihn zur Schilderung von Spiegelungen einladen.
 ron beginnt die Reise. Beide Motive veranlassen den Maler, Formen und die gewählten war-  Eine gelungene Verbindung von Dynamik und kontemplativer Ruhe! Die hochragende Ba-
 men Farben zusammen zu ziehen. Im Fluss der Bewegung des Malens entsteht in lebhaften   rockkirche, das traufständige Uferhäuschen und die herbstliche Vegetation werden in Be-
 Farbströmen und -strudeln ein malerisch selbständiges, nahezu abstraktes Gebilde, das   wegung und Ruhe zugleich gezeigt.
 dem Auge dann wieder die Elemente Fluss, Häuser, Bäume und Uferbewuchs offenbart.
                        Die Dramatisierung der Landschaft gelingt Lehmpfuhl unter verschiedenen Umständen.
 Das Herbstliche Schloss bei Niedergundelfingen lässt Lehmpfuhls Maltechnik, die Farbe   Das Morgenlicht an der Donau, Neuburg gibt eine eigentümliche Statik zu sehen, als han-
 mit den Händen direkt zu verstreichen, deutlich werden. Die plastische Relieferscheinung   dele es sich um eine Architektur. Die rau strukturierte steile Erhebung links eröffnet den Blick
 spielt hier entschieden mit. Der von Nadelbäumen gesäumte Weg scheint wie ein Bach sich   in ein ruhig konzipiertes Bild, in das die waagerecht und senkrecht eingetragenen Pinsel-
 aus dem Tor des Gebäudes zu ergießen. Das Haus selber ist mit strengen waagerechten   strukturen eine strenge Ordnung tragen. Die beiden anderen Bilder von Neuburg leben ein
 Strukturen gezeichnet, nur die in heraldischen Farben gehaltenen Fensterläden sind diago-  wildes Temperament.
 nal geführt. Unter dem knapp angegebenen weißblauen Himmel entfaltet sich die Farben-
 palette des Herbstes in braun-gelbocker- rot-grün.  Lehmpfuhl, der Lichtmaler, entfaltet sich auf eigene Weise in den Aquarellen, die in seinem
                        Werk in den letzten Jahren große Bedeutung erlangt haben. Er hat sich dieser Technik
 Bezeichnend sind immer wieder die Paarungen von großformatigen Übersichtsgemälden   zugewandt, um einen Gegenpol zu den Ölbildern zu setzen, die er mit bloßen Händen in
 und den poetischen Etüden in kleinem Format desselben Motivs wie in der Reihe der Sig-  pastosem Farbauftrag malt. Das Aquarell verlangt höchste Konzentration, denn es verwehrt
 maringen Bilder Herbst an der Donau und Herbstspiegelung zu beobachten. Besonders   dem Maler jede Korrekturmöglichkeit. Die beiden Blätter mit dem Herbstthema bringen
 die Virtuosität fällt auf, in der Farbe und Relief des lebhaft tanzenden pastosen Auftrags das   die tanzenden Farbflecken zwischen Waldboden und dunklen Stämmen zu einer brillan-
 Motiv der Spiegelung zusammen mit der Wasserbewegung in die Abstraktion und daraus   ten Lichterscheinung. Herbstsonne und Regentag bringen ein Element des Stillebens in
 wieder in die Naturschilderung führen.  die Landschaft. Spiegelungen und Farbflecken geben den Blättern luzide Durchblicke und
                        ihren eigenen Zauber.
 Lehmpfuhl ist ein Lichtmaler, der sicherlich vom Impressionismus berührt ist, aber sich
 in eine eigene ausdrucksstarke malerische Sprache begeben hat, die ebenso sensibel   Bewusst haben wir noch nicht von den beiden älteren Bildern, 2016 entstanden, von Heilig-
 wie entschieden vorgetragen wird. Das ist gut an den Voll- und Halblichtern auf Sonniges   kreuztal gesprochen. Sie sind von reduzierterer Farbigkeit und schildern die Architektur von
 Schloss, Sigmaringen zu beobachten. Eingerahmt von sonnenbeschienenen Bäumen wird   Durchfahrt und Gebäuden in Draufsicht und malerisch raffinierten Verkürzungen. Wenn wir
 die verschattete Schlossfassade mit durch Lichter ausgezeichnete Fenster geschildert.  an die Donauschule zurückdenken und zumal Altdorfers großes Bild der Alexanderschlacht
                        in der Münchner Alten Pinakothek vor Augen rufen, wird klar, dass sich Christopher Lehm-
 Donautal mit Bussen und Herbstliches Donautal, bei Riedlingen gelegen, schildern dieselbe  pfuhl zu reicher südlicher Farbigkeit entwickelt hat und mit seiner Kunst diesen alten Meis-
 Landschaft als Überblickspanorama und als detaillierte Studie in der Nahsicht. Die Weite der   tern mit seinen frischen Mitteln von heute entgegenziehen wird.
 Flusslandschaft wird über 200 cm ausgebreitet und die Gelegenheit genutzt, das Mäandern
 des Flusslaufs und das von diesem fruchtbar bewässerte Land zu zeigen. Als Focus für   Thomas Gädeke



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