Page 80 - Galerie Ewald Schrade - Mochental - Tobias Röthel - Stahlwerke
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Seine unbeirrbare Suche nach Umsetzungsmöglichkeiten fri-
                                                                                                                                                                                        scher Ideen verlangt dem Künstler ein sensibel geführtes Aus-
                                                                                                                                                                                        tarieren des virtuosen und dialogischen Kräftezerrens ab. Stahl,
                                                                                                                                                                                        das Material, das den Künstler nach fast 30 Jahren immer noch
                                                                                                                                                                                        begeistert und überrascht, geht mit seiner stimmungsmäßigen
                                                                                                                                                                                        Arbeitsweise und seiner Liebe zur Spontaneität eine perfekte
                                                                                                                                                                                        Liaison ein: Künstler und Material reagieren empfindlich wäh-
                                                                                                                                                                                        rend des dramatisch-prickelnden Augenblickes der Formfindung
                                                                                                                                                                                        im weichgeglühten Zustand des Stahls wechselseitig zwischen
                                                                                                                                                                                        Intuition und Kalkül aufeinander.

                                                                                                                                                                                        Papier und seine Materialeigenschaften fasziniert Thomas
                                                                                                                                                                                        Röthel ebenfalls und er experimentiert mit Papier genauso
                                                                                                                                                                                        wie mit Stahl. Wunderbar reagierende Papierarbeiten zeigen in
                                                                                                                                                                                        einem ruhigen Nebenraum ihre schwingenden und dem Druck
                                                                                                                                                                                        schwerer Werkzeuge nachgegebenen, verletzten Membranen.
                                                                                                                                                                                        Kratertiefe, in Schichten versetzt gestaffelte Wunden sind
                                                                                                                                                                                        Spuren der heftigen, emotionsgeladenen Aktionen auf den sta-
                                                                                                                                                                                        bilen, aber weich-federnden Papierflächen, denen der enorme
                                                                                                                                                                                        Kraftaufwand anzusehen ist. Wie ein Zeichner, der mit seinem
                                                                                                                                                                                        Stift geometrische Formen auf das Blatt anordnet, lässt der
                                                                                                                                                                                        Künstler Formenlandschaften aus Negativabdrücken entstehen.


                                                                                                                                                                                        Geschichtete Papierbögen (oft 5-fach) versetzt er zueinander,
                                                                                                                                                                                        wie die Stahlelemente bei den ausbalancierten Stahlskulpturen.
                                                                                                                                                                                        Er ändert in unterschiedlichen Momenten des Bearbeitungs-
                                                                                                                                                                                        ablaufs gezielt die Reihenfolge der geschichteten Bögen oder
                                                                                                                                                                                        er trennt sie, um sie im weiteren Verlauf völlig unabhängigen
                                                                                                                                                                                        voneinander zu bearbeiten. Das oberste Blatt kann ganz nach
                                                                                                                                                                                        hinten wandern und ein Blatt aus der Mitte entnommen und
                                                                                                                                                                                        damit eine neue Schichtung begonnen werden: Der Spontanei-
                                                                                                                                                                                        tät sind keine Grenzen gesetzt!
























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